Rodgau-Ring-Straße: Hohe Kosten, zweifelhafte Wirkung

Veröffentlicht am 31.10.2013 in Ortsvereine
Rodgauer SPD spricht sich dafür aus, das seit Jahren diskutierte Straßenbauprojekt bis 2020 nicht weiter zu verfolgen und zieht damit die Konsequenzen aus dem neuen Verkehrsgutachten – Einstimmiger Beschluss der Mitgliederversammlung

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Mit einem einstimmigen Votum einer Mitgliederversammlung haben die Rodgauer Sozialdemokraten am 30. Oktober 2013 ihre Position zur Verkehrsplanung im Norden der Stadt geklärt. Kernpunkt des vier Teile umfassenden Beschlusses ist die Festlegung, den geplanten Weiterbau der Rodgau-Ring-Straße Richtung Obertshausen bis zum Jahr 2020 nicht weiter zu verfolgen. Erst danach soll im Lichte der aktuellen Verkehrssituation neu entschieden werden.

Damit findet eine auch in der SPD über Jahre kontrovers geführte Diskussion ein harmonisches Ende. „Wir reagieren auf die Erkenntnisse des Gutachtens zur aktuellen Verkehrssituation im Norden unserer Stadt“, sagte der Rodgauer SPD-Vorsitzende Jürgen Kaiser. Mit dem Gutachten des Planungsbüros Habermehl und Follmann ist zum ersten Mal eine Gesamtbetrachtung der Verkehrsflüsse in Weiskirchen und Hainhausen möglich.

Verkehrsplaner Edwin Mayer stellte das Zahlenwerk in der Mitgliederversammlung zu Beginn der Diskussion ausführlich vor. Seine drei zentralen Aussagen: Die Verkehrsbelastung in der Weiskircher Alfred-Delp-Straße und in der Hauptstraße entspricht mit maximal 9000 Fahrten an einem Werktag in etwa dem Verkehr auf den anderen Haupterschließungsstraßen in den Stadtteilen Jügesheim, Dudenhofen und Nieder-Roden. Nur jede fünfte Fahrt durch Weiskirchen ist Durchgangsverkehr. Die Verlängerung der Rodgau-Ring-Straße würde in Weiskirchen eine Entlastung von maximal 1700 Fahrten bringen – Mayer sprach von einer „deutlich begrenzten Wirkung“. Im Gegenzug wäre aber mit einer erheblichen Verkehrsverlagerung zurück von der B45 auf die innerstädtischen Straßen und auf die Rodgau-Ring-Straße zu rechnen.

„Diese Ergebnisse haben uns wirklich überrascht, und wir haben sie deshalb mehrfach überprüft“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann in der Mitgliederversammlung. Das Resultat sei nun aber eindeutig: „Unter den gegebenen Umständen wäre die Verlängerung der Rodgau-Ring-Straße zum jetzigen Zeitpunkt nicht ratsam, nicht verantwortbar und sogar kontraproduktiv.“ Hinzu kämen die hohen Kosten von geschätzten 9,3 Millionen Euro. „Bei einer derart geringen Entlastungswirkung wäre ein Landeszuschuss für das Projekt äußerst unwahrscheinlich“, so Hoffmann.

Der jetzt gefasste Beschluss zur Rodgau-Ring-Straße steht im Einklang mit dem Wahlprogramm der SPD-Rodgau von 2011, in dem der Weiterbau der Straße ausdrücklich unter Finanzierungsvorbehalt gestellt wurde. Dass sich die Rodgauer Sozialdemokraten dennoch nicht komplett von dem Projekt verabschieden, begründen sie mit theoretisch möglichen langfristigen Veränderungen der Verkehrsströme. Schließlich endet auch der Prognosehorizont des Gutachtens im Jahr 2020. Klar wurde an dem Abend aber auch, dass derzeit keine Entwicklungen erkennbar sind, die zu einem anderen Urteil über das Straßenbauprojekt führen müssten.

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Klares Votum gegen einen „Durchstich“ in Rodgau-Hainhausen

Neben ihrem Nein zum Weiterbau der Rodgau-Ring-Straße zum jetzigen Zeitpunkt sprechen sich die Sozialdemokraten auch gegen eine direkte Verbindung der Südtrasse in Hainhausen mit der B45 (Durchstich) aus. Auch hier haben die Prognosen des Verkehrsgutachtens ergeben, dass die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen der Maßnahme stünden. Eine solche Baumaßnahme war auch unter Umweltgesichtspunkten stets sehr kritisch zu bewerten und wurde daher nach den neuen Erkenntnissen endgültig begraben.

Ein Ergebnis des Verkehrsgutachtens war die starke Belastung der Wilhelm-Leuschner-Straße mit innerörtlichem Verkehr. Diese wichtige Verbindung soll deshalb „zwischen der Kreuzung August-Neuhäusel-Straße und dem Kreisel an der Südtrasse erneuert und an das aktuelle Verkehrsaufkommen angepasst werden“, wie es in dem Beschluss heißt. Mehrere Redner machten deutlich, dass hier schnell etwas geschehen muss.

Ebenso einig waren sich die Mitglieder, dass mit der Absage an die Verlängerung der Rodgau-Ring-Straße das Thema Verkehr im Stadtteil Weiskirchen nicht erledigt sei. Die SPD spricht sich in ihrem Beschluss daher dafür aus, „Maßnahmen zu prüfen, die zur verkehrlichen Entlastung der Hauptstraße in Weiskirchen führen sollen“. „Die Menschen Weiskirchen leiden unter der Situation in der Hauptstraße“, mahnte Hermann Grosch aus Weiskirchen. Wenn die Rodgau-Ring-Straße hier keine Abhilfe schaffen könne, müsse man „andere, den Verkehr lenkende oder verlangsamende Maßnahmen finden“. Er stieß damit auf große Zustimmung.

Die Diskussion über die Rodgau-Ring-Straße und weitere Verkehrsprojekte im Norden der Stadt wurde in der Vergangenheit stets mit großer Leidenschaft geführt. Zeitweise drohte sie in einen regelrechten Glaubenskrieg auszuufern. Das neue Gutachten zu den Verkehrsströmen bietet nun die große Chance, über diese Projekte in sachlicher Atmosphäre einen neuen Konsens herbeizuführen. Die SPD Rodgau versteht ihren Beschluss hierfür als ihren Beitrag.

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Der Beschluss im Wortlaut:

1. Der geplante Weiterbau der Rodgau-Ring-Straße Richtung Norden bis zur Ortsumgehung Obertshausen wird bis zum Jahr 2020 nicht weiter verfolgt. Im Jahr 2020 wird für eine Neuentscheidung über die weitere Planung die aktuelle Verkehrssituation neu bewertet.

2. In Hainhausen wird eine direkte Verbindung der Südtrasse mit der B 45 (Durchstich) nicht gebaut.

3. Die Wilhelm-Leuschner-Straße soll zwischen der Kreuzung August-Neuhäusel-Straße und dem Kreisel an der Südtrasse erneuert und an das aktuelle Verkehrsaufkommen angepasst werden.

4. Ferner sind Maßnahmen zu prüfen, die zur verkehrlichen Entlastung der Hauptstraße in Weiskirchen führen sollen.

Einstimmig beschlossen von der Mitgliederversammlung der SPD-Rodgau am 30. Oktober 2013 im Bürgerhaus Weiskirchen.

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